|
Abenteuer auf der Toilettenschüssel
Lang, lang ists her, seit die "Spiele ohne Grenzen" über deutsche
Bildschirme flimmerten. In Kuppingen hat man die beliebteste deutsch-europäische
Spiele-Show der 70er Jahre nicht vergessen. Lange allerdings ist es auch her,
seit man dort unter demselben Motto kämpfte. Am Samstagnachmittag war Revival.

Alles nur Spaß: "Spiele ohne Grenzen" in Kuppingen
GB-Foto: Schmidt
von Thomas Morawitzky
"Spiele ohne Grenzen - Classic" heißt das in diesem Jahr. Der Grund: Nach zehn
Jahren Ruhepause hat die Fußballabteilung des TSV Kuppingen die Spieleidee
wieder ausgegraben. Das Prinzip ist einfach und effektiv: Mannschaften kämpfen
gegeneinander, die Spiele finden unter freiem Himmel statt auf dem Rasen, sind
aktionsreich, manchmal auch nass, und vor allem originell ausgedacht: Ein großer
Kindergeburtstag für Erwachsene, die natürlich alle gewinnen wollen. Eine
Mohrenkopfschlacht allerdings noch nicht - dafür aber akrobatische Kunststücke,
Geschicklichkeitsspiele und Abenteuer auf der Toilettenschüssel.
Gleich mehrere dieser Schüsseln standen auf der Spielfläche beim Kuppinger
Sportheim bereit. Ihre Bestimmung war eine eher harmlose: Auf ihnen durften
einige Kuppinger Platz nehmen, die sich zuvor einen Helm mit Saugglocke
aufgesetzt hatten - der Stiel ragte steil nach oben und musste von Ringwerfern
getroffen werden. Keine leichte Sache. Sobald so ein Ring über einen Stil
rutschte, durfte der Nächste im Parcours lostraben - beim "Rugele-Lauf". Ein "Rugele"
ist, was der Nichtschwabe nicht weiß und auch mancher Schwabe nicht, ein rundes
Holzscheit. Hier geht es darum, sich voranzubewegen, indem man ständig solche "Rugele"
umstellt, auf sie tritt, die hinteren nach vorne holt - kein Sport für Menschen,
die für Hexenschuss anfällig sind. Hat der "Rugele"-Wettläufer sein Rennen
gemacht, darf ein weiteres Mitglied der Mannschaft losstürmen und einen
Basketball in einem Netz versenken. Ein Stapel-Lauf - umständlich, mühselig,
spannend, mit vorprogrammierten Pannen, die das Adrenalin in den Adern der
übrigen Mannschaftsmitglieder pochen lassen.
Diese Teams gaben sich im ersten Jahr der Wiederauferstehung die originellsten
Namen. Da kämpften beispielsweise die "Ramazz Mias" - wohl inspiriert von einem
klebrigen Getränk, das besonders gerne durch weibliche Kehlen schlüpft; ,die
"Fantastischen 4×2" - vier Männer, vier Frauen, liiert und deshalb bestens auf
den Wettkampf eingestellt; die Mannschaft "Schwach und Schwächer", die "New Kids
ohne Bock", die "Turboschnecken" und das "Mon Cheri Team". Natürlich auch die
Fußballer des TSV Kuppingen, die sich den ganzen Spaß ausgedacht hatten.
Die originalen "Spiele ohne Grenzen", zu ihrer glorreichsten Zeit moderiert von
Camillo Felgen und dem damals noch jungen Frank Elstner, wurden von 1965 bis
1982 ausgestrahlt, von Peter Gabriel besungen, und erlebten in den späten
1980ern eine kurzlebige Neuauflage unter Leitung des Schlagerstars Michael
Schanze. In Kuppingen wird sich so manch ein Fußballer erinnern an die
Fernsehnachmittage seiner Jugend, denn dort spielte man die "Spiele ohne
Grenzen" getreu bis vor etwa zehn Jahren im Sommer, also bis etwa 1999. Dann war
Schluss. Schade, dachte sich zum Beispiel Wolfgang Strohäcker, stellvertretender
Abteilungsleiter des Fußballs im TSV und Vorsitzender des Fördervereins Fußball,
der die Spiele denn auch in diesem Jahr ausrichtete. Sieben Spiele sollte es
geben, immer wieder unterbrochen vom Pausenspiel Tauziehen, bei dem Männer gegen
Männer und Frauen gegen Jugendliche anzogen.
Zwölf Mannschaften nahmen es miteinander auf, jeweils sechs bis acht Kämpfer
stark, vier Kategorien traten an: vier Mannschaften mit Herren, drei
Mannschaften mit Damen, drei gemischte Mannschaften mit jeweils mindestens zwei
Damen, zwei Jugendmannschaften. Etwas bedauerlich fand Strohäcker, dass nur
wenige der örtlichen Vereine eigene Mannschaften anmeldeten. Ausnahmen lediglich
der HCK mit dem "HCK-Team" - und natürlich die stets agilen Landfrauen, die
einen besonderen Joker mitgebracht hatten: eine große Milchflasche.
Vielleicht stand die Milchflasche den Landfrauen ja bei beim feuchten Parcours,
bei dem die Wettkämpfer lostraben mussten mit Helmen aus halbierten Fußbällen
auf dem Kopf, an denen entweder ein weiterer halbierter Fußball als Gefäß, oder
ein Schwamm befestigt war - es galt Wasser aus einer gut gefüllten Mülltonne
aufzusaugen oder sich einschenken zu lassen, loszujoggen, mitunter sogar mit
hinderlichen Taucherflossen an den Füßen, und einen Sammelbehälter zu füllen,
der zuletzt gewogen wurde.
Das "Schwammkopf-Spiel", angeregt vom amerikanischen "Sponge-Bob", bildete den
Abschluss der Kämpfe und sorgte für Laune: "Das war dann eine Riesen-Gaudi",
erzählt Strohäcker, "jeder war nass." Als Sieger gingen in ihren jeweiligen
Kategorien das "HCK-Team", die Jugendlichen von "Schwach und Schwächer", die
Landfrauen und, bei den gemischten Mannschaften, die evangelische
Kirchengemeinde mit 71 Punkten aus den Kämpfen hervor. Sie trugen jeweils einen
Wanderpokal nach Hause, den sie im kommenden Jahr hoffentlich verteidigen
dürfen: Ziel des Fußball-Fördervereins ist es natürlich, die Spiele auch 2010
wieder stattfinden zu lassen. Die ersten "Spiele ohne Grenzen" Kuppingens
nämlich fanden vor 20 Jahren statt - damals gewann wie heute die Mannschaft des
HCK.
|